
Der letzte Zug
The Last Train
Sofia from Spain has the job interview of her life in Munich at nine tomorrow morning, and tonight the last train is cancelled. A night drive with a student, a flat tyre, and a grumpy stranger who keeps correcting her German.
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Durchsage„Achtung an Gleis sieben. Der ICE nach München, Abfahrt einundzwanzig Uhr fünfzig, fällt heute leider aus. Wir bitten um Entschuldigung.“
Sofia„Nein … nein, nein, nein!“
Sofia steht auf Gleis sieben im Frankfurter Hauptbahnhof. Es ist Donnerstagabend, kurz vor zehn. Morgen um neun Uhr hat sie ein Vorstellungsgespräch – in München. Sofia ist neunundzwanzig und kommt aus Spanien. Sie ist Ingenieurin, und die Stelle bei der Autofirma in München ist ihr Traumjob. Sie nimmt ihren Koffer und läuft zur Information.
Deutsche Geschichten. Folge drei: Der letzte Zug. An der Information steht schon eine lange Schlange. Alle wollen nach München. Nach zwanzig Minuten ist Sofia endlich dran.
Sofia„Guten Abend! Ich muss heute noch nach München. Gibt es noch einen Zug?“
Frau an der Information„Heute nicht mehr. Der nächste Zug fährt morgen früh um fünf Uhr dreißig. Sie müssen in Nürnberg umsteigen. Aber ohne Garantie.“
Sofia„Ohne Garantie? Aber ich habe um neun Uhr einen wichtigen Termin!“
Herr Brandt„Junge Frau, wir haben alle wichtige Termine! Typisch Bahn. Immer Verspätung, immer Probleme.“
Hinter Sofia steht ein älterer Mann mit einem grauen Mantel und einer Ledertasche. Er schaut auf seine Uhr und schüttelt den Kopf. Er sieht nicht sehr freundlich aus.
Jonas„Hey, sorry! Ihr wollt nach München, oder? Ich fahre heute Nacht mit dem Auto. Ich habe noch zwei Plätze frei!“
Ein junger Mann mit einer Gitarre und einer bunten Mütze lächelt die beiden an. Er studiert Musik in München.
Sofia„Wirklich? Ja, ich komme mit! Ich bezahle auch das Benzin.“
Herr Brandt„Hm. Mit dem Auto. Durch die Nacht. Na gut. Ich komme auch mit.“
Jonas„Super! Ich bin Jonas. Und ihr?“
Sofia„Ich bin Sofia. Sofia García.“
Herr Brandt„Brandt. Herr Brandt. Und zu mir sagen Sie bitte ‚Sie‘, junger Mann.“
Jonas lacht nur. Zehn Minuten später sitzen alle drei in seinem alten, blauen Auto.
Es regnet. Die Scheibenwischer gehen hin und her. Das Radio läuft, und Jonas singt laut mit. Herr Brandt sitzt hinten und sagt nichts. Sofia schaut auf ihre Notizen und übt leise für morgen.
Sofia„‚Ich habe fünf Jahre Erfahrung in Elektroautos …‘“
Herr Brandt„Mit.“
Sofia„Wie bitte?“
Herr Brandt„Erfahrung mit. Nicht in. Man sagt: ‚Ich habe Erfahrung mit Elektroautos.‘“
Sofia„Oh … danke! ‚Ich habe fünf Jahre Erfahrung mit Elektroautos.‘“
Herr Brandt„Besser.“
So geht es weiter, Kilometer für Kilometer. Sofia übt, und Herr Brandt korrigiert. Manchmal lächelt er sogar – ein ganz kleines bisschen.
Herr Brandt„Wissen Sie … ich mag Vorstellungsgespräche auch nicht. Man ist immer so nervös.“
Um drei Uhr nachts hören sie plötzlich einen lauten Knall.
Das Auto wackelt. Jonas fährt langsam auf einen Parkplatz. Ein Reifen ist kaputt.
Jonas„Oh nein! Ich habe keine Ahnung, wie man einen Reifen wechselt!“
Herr Brandt„Das auch noch. Ich rufe den Pannendienst an.“
Sofia„Nicht nötig. Jonas, wo ist das Ersatzrad?“
Sofia steigt aus. Im Regen holt sie das Ersatzrad und das Werkzeug aus dem Kofferraum. Ihr Vater hatte in Spanien eine Autowerkstatt. Als Kind hat sie dort jeden Samstag geholfen. Nach fünfzehn Minuten ist das neue Rad dran.
Herr Brandt„Respekt, Frau García. Respekt.“
Jonas„Du bist die Beste!“
Aber das Ersatzrad ist klein. Jonas darf nur noch achtzig fahren. Und kurz vor München gibt es Stau. Acht Uhr. Acht Uhr zwanzig. Acht Uhr vierzig.
Sofia„Das schaffe ich nie!“
Herr Brandt„Doch, das schaffen Sie. Da vorne ist die U-Bahn. Laufen Sie, Frau García! Laufen Sie!“
Sofia rennt – mit dem Koffer, durch den Regen, die Treppe hinunter zur U-Bahn.
Um acht Uhr neunundfünfzig steht sie am Empfang. Nass, müde – aber pünktlich. Eine Kollegin bringt sie in einen Besprechungsraum. Sofia wartet. Fünf Minuten. Zehn Minuten. Dann geht die Tür auf. Ein Mann kommt herein. Er ist nass und außer Atem. Es ist … Herr Brandt!
Herr Brandt„Guten Morgen, Frau García! Ich bin Thomas Brandt, der Chef hier. Entschuldigen Sie die Verspätung. Ich hatte eine lange Nacht.“
Sofia„Sie … Sie sind der Chef? Haben Sie das gewusst?“
Herr Brandt„Seit gestern Abend. Auf Ihren Notizen steht unser Name – ganz oben.“
Herr Brandt„Erfahrung mit Elektroautos – und mit Reifen, um drei Uhr nachts, im Regen. Ich glaube, wir brauchen kein langes Gespräch. Willkommen im Team!“
Sofia„Danke! Vielen, vielen Dank!“
Am Abend fährt Sofia mit dem Zug zurück nach Frankfurt. Sie ist müde, aber sehr glücklich. Auf dem Bahnsteig hört sie wieder diesen Ton …
Durchsage„Achtung an Gleis elf. Der ICE nach Frankfurt hat heute circa zehn Minuten Verspätung.“
Sofia„Zehn Minuten? Kein Problem!“
Diesmal lacht Sofia nur.
Did you understand?
1Was ist das Problem am Anfang der Geschichte?
2Warum muss Sofia heute noch nach München?
3Woher kommt Sofia, und was ist sie von Beruf?
4Was sagt die Frau an der Information?
5Wie kommen Sofia und Herr Brandt nach München?
6Was möchte Herr Brandt von Jonas?
7Was korrigiert Herr Brandt im Auto?
8Was passiert um drei Uhr nachts?
9Warum kann Sofia einen Reifen wechseln?
10Wer ist Herr Brandt?
Verbs from the story
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